|
|
|
Quer durch den Kontinent fahren - einfach so? Einige Stunden Autobahn und schon sind wir in Italien, Spanien, Slowenien… Doch es gibt Gebiete in Europa, die machen es einem schwer, wenn man sie besuchen will. Wir haben uns in diesem Jahr so ein Land ausgesucht - Großbritannien. Schon tauchen einige Vorurteile auf: Neblig, nass und kalt; schrullige, unfreundliche Menschen... Und außerdem fahren sie auf der falschen Straßenseite. Wir haben auf unseren Reisen England von einer ganz anderen Seite erlebt. Hilfsbereite und nette Menschen, die uns stets freundlich begegnet sind. Oft wurden wir nett begrüßt, nach dem woher und wohin gefragt. Gerne wurden ein paar Worte gewechselt. Schon nach kurzer Zeit merkten wir, dass dort die Uhren irgendwie anders gehen. Erleben wir im Alltag so mache Hektik und sogar Aggression, so haben wir dort z.B. beim Einkaufen die Menschen sehr "unaufgeregt" empfunden. Die englische Höflichkeit ist wirklich keine leere Floskel, sondern angenehme Realität des English way of life. - Sogar im Straßenverkehr. Dort geht alles sehr unkompliziert. In einigen Wochen quer durchs Land haben wir so gut wie keine Hupe gehört! Drängeln und Rasen sind unbekannt. Oft sieht man allerdings die Lichthupe … als Zeichen "ich lasse Dir den Vortritt". Eine nette Geste, die wir als Womofahrer stets dankend angenommen haben. Auf den oft nicht sehr breiten Straßen der Countryside haben wir es oft zu schätzen gewusst. Der Blick des Fahrers versucht immer um die Ecke zu sehen, meistens kommt keiner. Und wenn doch, dann habe ich mich oft erschrocken, obwohl ich damit gerechnet habe. Es ist wie eine Fahrt in der Geisterbahn: Das man sich erschreckt, ist klar - es ist nur die Frage wann! So gibt es auf vielen Straßen einspurige Abschnitte mit Ausweichen in erreichbarer Nähe. Hier hat stets das größere Fahrzeug Vortritt! Ohne "bösen Blick" oder andere Gesten wird hier auch mal fünfzig Meter zurückgesetzt… Unser Ziel war Cornwall. Hm, Cornwall? Golfstrom, mildes Klima, Rosamunde Pilcher? All das hatte uns neugierig gemacht. Wir wurden nicht enttäuscht. Wir erlebten ein Urlaubsland voller Überraschungen: Wilde Felsklippen, endlose Wanderwege entlang der Küste, grüne einsame Täler mit kleinen verschlafenen Dörfern. Liebliche kleine Marktstädtchen. Mediterrane, romantische Fischerdörfer, deren steile Kopfsteinpflasterstraßen sich direkt ins Meer zu stürzen scheinen. Aber auch die touristischen Hochburgen des vorletzten Jahrhunderts - die klassischen englischen Seebäder mit ihrem eigenen Charme und ihrem eigenen Publikum. Aber (einigermaßen) der Reihe nach: Wir hatten uns eine günstige Fährverbindung herausgesucht und hatten von Calais nach Dover übergesetzt. Die Überfahrt dauerte etwa neunzig Minuten. Wir hatten die Route mit Rücksicht auf unseren Hund so gewählt. Seit ein paar Jahren kann man die kleinen Wanderkameraden mit auf die große Insel nehmen - wenn man sich an die Regeln hält. (Und hier nimmt man es mehr als genau). Die Formalitäten werden schon in Frankreich absolviert, bevor man überhaupt in den Hafen gelangt. (Danach hat keiner mehr nach den Papieren gefragt). |
|
Sicher in Dover angelangt, machten wir uns auf den Weg nach Westen. Unsere erste Station war die Isle of Wight, die wir via Portsmouth erreichten. In den nächsten Tagen umrundeten wir die Insel. Auf dem Coast Path fanden wir reichlich Gelegenheit die Natur entlang der Steilküste zu genießen. Die Kosten für die Fähre in Höhe von 120 Brit. Pfund waren so auch relativ schnell verschmerzt. Die Westspitze der Insel ist sehenswert. Weiße Kreidefelsen, die hoch aufragenden Spitzen der Needles, sind ein Wahrzeichen der Insel. In Alum Bay leuchten die Klippen in zehn verschiedenen Farben am Rande des Meeres. |
||||||||
![]() |
||||||||
|
Freshwater Bay |
||||||||
|
Auch in der Hochsaison fanden wir hier ruhige Ecken, beschauliche Dörfer aber auch gut frequentierte Badeorte wie Shanklin oder Sandown, die irgendwie den Charme der englischen Badeorte aus dem vorletzten Jahrhundert haben. Zurück auf dem Festland - wieso eigentlich Festland, die britische Insel ist ja auch eine Insel- also zurück auf der großen Insel zogen wir bei bestem Sommerwetter weiter nach Westen. chen Badeorte aus dem vorletzten Jahrhundert haben. |
||||||||
|
Shanklin High Street |
![]() |
||||||||
|
Auf der Halbinsel Swanage, östlich von Bornemouth gefiel uns besonders der Ort Corfe Castle. Die kleinen Häuser aus grauem Stein strahlten eine angenehme Ruhe aus. Dominiert wird der Ort von der gleich-namigen Burgruine. Die Reste der Festung ragen weit sichtbar in den Himmel. Es schien als sei die Zeit hier stehen-geblieben. |
||||||||
![]() |
||||||||
|
Corfe sastle |
||||||||
|
Ein ruhiger Abend im Pub mit Namen "The Greyhound" war angesagt. Die Schilder, die draußen an den Pubs hingen, gefielen mir. Irgendwie erzählten die Bilder kleine Geschichten, denn man hatte sich sicher bei der Wahl des jeweiligen Namens etwas gedacht. Überhaupt waren es oft die kleinen Dinge, die uns auffielen. Die Ruhe, vielmehr eine Art "Unaufgeregtheit", die die Menschen an den Tag legen, haben wir als sehr angenehm empfunden. Auch die Liebe zum Detail - wie die Schilder an den Gasthäusern oder eine andere Gewichtung vieler Dinge war manchmal beeindruckend. |
||||||||
|
Weiter auf dem Weg nach Westen starteten wir eine Wanderung von Lime Regis zum Golden Cap. Es gab dort einen Wanderweg entlang der Küste. Leider kamen wir nach ein paar Meilen nicht mehr weiter, weil der Weg gesperrt war. Ein Stück der Steilküste war abgebrochen und so wurde der Wanderweg kurzerhand umgeleitet. Nicht außergewöhnlich, aber die Umleitung war den gesamten Weg durch den Ort ausgeschildert. Eine nette Geste. |
|||||||||
|
Nett war auch die Aussicht, wie hier an der Strandpromenade von Burgleigh Salterton, umweit von Exmouth. Statt weißer Kreidefelsen ragen hier rote Klippen auf und geben dem Ort eine ganz andere Note. Das Wetter trug auch dazu bei, dass wir uns öfter eher in Südeuropa als in Südengland wähnten. |
|||||||||
![]() |
|||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Nein, vor der Cornischen Küste gibt es unweit von Penzance etwas wie eine kleinere Ausgabe. St. Michaels Mount, eine dem kleinen Ort Marazion vorgelagerte Gezeiteninsel, die bei Ebbe zu Fuß zu erreichen ist. Steigt das Wasser eilen kleine Boote herbei, die die Touristen in wenigen Minuten übersetzt. Da keltische Mönchskloster aus dem 6.Jahrhundert war schon immer ein Pilgerziel, so auch in diesem Sommer. Heute im Besitz des National Trust, kann es besichtigt werden. Sehenswert sind auch die Gärten, die sich um die landabgewandte Seite der Insel erstrecken. Natürlich haben wir auch den obligatorischen Besuch in Lands End absolviert. Nein, nicht einfach mit dem Mobil hingefahren, sondern von Sennen Harbour zu Fuß an der Küste entlang. So nähert man sich in aller Ruhe dem westlichsten Punkt des britischen "Festlands". Wer die kommerziellen Freizeitangebote nicht mag, der begnügt sich mit der tollen Aussicht, einem Imbiss und/oder einem Giftshop. Teilweise findet man auch ganz nette Dinge für die Lieben daheim… |
|
|
|
|
|
Auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe fanden wir Unterschlupf. Auf einer Wiese hoch über dem Meer genossen wir die Aussicht auf die untergehende Sonne. Am nächsten Morgen mussten wir die geplante Tour zum Hartland Point verschieben. In der Nacht begann es zu regnen. Die Küstenstrasse führte uns in den Exmoor National Park. Am Rande des mehr als 700 qkm großen Naturreservats führte uns Serpentine um Serpentine auf einer teilweise engen Straße hinunter nach Lynmouth. Der Ort liegt an der Mündung einen kleinen Flusses unterhalb des mehrere hundert Meter höher gelegenen Lynton. Ein Schrägaufzug führt die Besucher in wenigen Minuten hinauf. |
![]() |
|||||||||||||||||
|
Die Weiterfahrt erforderte zunächst eine Entscheidung: Der Weg nach Lynton hat eine Steigung von 25%, der Weg auf dem wir gekommen sind "nur" 18%! Nun, zurück wollten wir nicht und es war ganz gut, dass der Hinweis auf die Steigung der Küstenstrasse in Richtung Porlock etwas zugewachsen war. Stolze 28%! Runterschalten, durchatmen und schon waren wir fast oben. Irgendwann mussten wir uns von der Küste trennen und den Heimweg antreten. |
|||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||
|
In diesem Land sieht man täglich ungewöhnliche - vielleicht aber auch nur ungewohnte Dinge. So hängt hier in Lewes die Kirchenuhr nicht am Turm, sondern über der Strasse. Kleine Lädchen - so ein Laden in dem es nur Bohnen gibt - luden zum Stöbern ein. |
|||||||||||||||||
|
Alfriston nahe der Südküste ist ein kleines Dorf in dem man irgendwann einmal die Kalender nicht mehr abgerissen hat und so die "Neuzeit" noch keinen Einzug gehalten hat. Hier steht eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser in England. Nahe der Kirche aus dem 14.Jahrhunder steht Clergy House. Es war der erste Ankauf des National Trust. Für sage und schreibe 10 Pfund wechselte das Gebäude im Jahre 1891 den Besitzer. |
|||||||||||||||||
![]() |
Hier das urtümliche "George Inn" mit einer Schanklizenz aus dem Jahre 1397! Heute ziehen unzählige Touristen durch die Highstreet. |
||||||||||||||||
|
Uns zog es nach einem etwas feuchten Tag in diesem bewohnten Schmuckkästchen weiter in Richtung Fähre … und somit wieder zur Küste! |
|||||||||||||||||
|
Bei strahlendem Sonneschein machten wir uns auf den Weg von der Mündung des Cookmeer River über die Klippen nach Birling Gap. Auf und ab führte der Weg. Immer wieder hinab bis fast auf Meereshöhe, dann wieder hinauf. "Seven Sisters" werden diese Klippen genannt. Und so geht es sieben Mal...
Unsere Fanny fand es toll, doch sie hat ja auch "Allradantrieb". |
|||||||||
|
Ein Größenvergleich - mehr als 120 Meter hoch sind die Kreidefelsen am Birling Gap. |
|||||||||
|
Irgendwann geht auch die längste Reise einmal zu Ende. Eines ist sicher - wir waren nicht zum letzten Mal hier auf dieser Insel. Da wo alles etwas anders ist, dort wo sie alle auf der falschen Straßenseite fahren, dort, wo man sein Bier im Pub stets sofort bar bezahlen muss. Uns ist das Land, in dem man mit vielen Dingen einfach anders umgeht, sympathisch. Bye bye! © mp 2004 |
|||||||||
|
Zurück zur Übersicht Reiseberichte Deutschland - Europa - Welt
|