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Olbia – Pittulongu

Auch in diesem Jahr orientieren wir uns an dem Wohnmobil - Tourguide von Peter Höh: „Die schönsten Routen durch Sardinien.“ Den Führer vom WOMO-Verlag, „Mit dem Wohnmobil nach Sardinien“ (Schulz) haben wir beiseite gelegt. Die Beschreibungen sind zum Teil (1995/2000) überholt und selten für unser Reisemobil geeignet. Peter Höh beschreibt nur offizielle Stellplätze und überlässt es dem Mobilisten, ob und wo er frei steht. Das Ehepaar Schulz meidet eher ausgewiesene Stellplätze. Die Situation auf Sardinien ist klar, das freie Campen ist quasi überall verboten. Lediglich in der Vor- und Nachsaison wird freistehen an einigen Stellen toleriert.

Das uns vom vorigen Jahr uns bekannte ruhige Übernachtungsparkplatz am Strand von Pittulongu war trotz einschlägiger Beschilderung in der Vorsaison problemlos für eine Nacht nutzbar. Von den Strandbars und Lokalen war immerhin eins geöffnet, aber die gähnende Leere lockte uns nicht. Die Reisemobilküche zauberte Spagetti mit Tomatensoße und reichlich Knoblauch. Gemütlich klang der Tag aus. Für die nächsten 5 bis 6 Tage stand die Routenplanung, wie freuten uns auf die Tour.   

Pittulongu, Capo d’Orso – Vignola Mare

Nach einer ruhigen Nacht brummte kurz nach 8 Uhr der erste Flieger zum Flughafen von Olbia, also aufgestanden und ab zum Golfo Aranci. Die kleine Hafenstadt beginnt sich dem Tourismus zu erschließen, überall wird heftig gebaut und verschönt.

Direkt am Ortseingang befindet sich ein kleiner Supermarkt, wir konnten uns mit frischem Brot, Wein, Wasser usw. eindecken.

Eine Esso Tankstelle bot Diesel für 120,4 Cent den Liter, wir ließen den Tank vollaufen. Gefrühstückt wurde oberhalb vom Golfo Aranci, auf einem Parkplatz mit schöner Fernsicht auf den Ort und dem vorspringenden Capo Figari.

Eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Sardiniens liegt unweit von Arzachena. Das Gigantengrab Coddu Vecchiu ist eines der beachtenswertesten Sardiniens aus dem 2. Jahrtausend vor Christi.

Unseren Obolus von 2,50 Euro pro Person entrichtet, haben wir in wenigen Minuten ehrfurchtsvoll angesichts des Alters das „Tombe die Giganti“ erkundet, dass uns ganz und gar nicht gigantisch vorgekommen ist.  

Ort vor dem Capo d’Orso

Das Capo d’Orso war der Höhepunkt dieses Tages, das so genannte „Bären-Cap“ bietet eine der attraktivsten Naturformationen im Norden von Sardinien. Ein gut ausgebauter mit Natursteinen gepflasterter Naturpfad schraubt sich rund 560 Meter zum Gipfel herauf.

Oben bietet sich den staunenden Blicken ein riesiger Granitfelsen in Form eines Bären dar, viele weitere skurrile Felsformationen sind zu bewundern. Die Aussicht über Palau und bis hinüber nach Korsika ist fantastisch.

Der berühmte Bär

Gemächlich kurvten wir Richtung Santa Teresa Gallura, der dortige offizielle kostenlose asphaltierte Stellplatz ohne Ver- und Entsorgung liegt etwas außerhalb, in Richtung „II Porto“.

Wir sind schnell wieder abgedüst, denn der Stellplatz liegt unmittelbar an einer Straße, die Autos brausten nur so vorbei, das versprach keine ruhige Nacht.

Der nächste Stellplatz in einem Kaff namens Vignola Mare war noch bis Mitte Juni geschlossen, die Betreiber renovierten emsig. Ein freundlicher Camper aus Belgien kam mit dem Fahrrad vorbei und sprach uns an, kurze Zeit später standen wir zwischen zwei noch geschlossenen Campingplätzen direkt am Meer auf einem Parkplatz mit vier weiteren Reisemobilen aus Österreich und Italien.

Im Laufe des Abend kamen noch zwei weitere italienische Reisemobil dazu.

Capo Testa

Die Nacht war ruhig, aber die italienischen Insassen von drei Reisemobilen waren schon gegen 7:30 Uhr munter und unterhielten sich fröhlich bis zu ihrer Abfahrt ca. 1 Stunde später. Auf diese Art und Weise standen auch wir zeitig auf. Die rund 24 Kilometer zurück zum Capo Testa fuhren wir mit dem Motorroller, um eine weitere grandiose Natursehenswürdigkeit Sardiniens zu besichtigen. Die Stichstraße zum Capo ist neu und zweispurig ausgebaut. Die Parkmöglichkeiten für Reisemobile sind rar und der Wendekreis vor dem Eingangstor des Capo Testa wird zuerst zugeparkt. Dann kann es für größere Reisemobile schon mal eng werden.  

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Das Kap liegt weit im Meer und ist den Elementen schutzlos ausgesetzt. Die Natur hat hier wahre Korrosions-Kunstwerke geschaffen, die Sarden nennen das „Gimitero die sassi“, den „Friedhof der Steine“. Es wimmelt geradezu von fantastischen Felsformationen.

Mit etwas Fantasie verwandeln sich die Steine in brüllende Raubtiere, Elefanten oder in eine Madonna ... oder, oder. Man muss nur genau hinsehen! Nach über zwei Stunden trennten wir uns von dem großartigen Anblick und „rollerten“ nach Vignola Mare zurück.

Im Hintergrund ist Korsika zu sehen ... eins unserer nächsten Ziele?

Capo Testa, unsere Empfehlung: Einen ganzen Tag einplanen. Rucksack mitnehmen, etwas zu essen und die phantastischen Felsformationen und en Meerblick geniessen.

Isola Rossa

Nach kurzer Beratschlagung wurde der Motorroller verstaut und gemächlich bummelten wir die Küstenstraße entlang bis zum Abzweig zur Isola Rossa, eine vier Kilometer lange Stichstraße runter zur Halbinselspitze. Vorbei an den berühmten roten Granitfelsen, zum Strand Sa Marinedda. Ein Strandparkplatz bot vier Reisemobilen direkt am Strand Unterschlupf. Bei angenehmen Temperaturen genossen wir die Vorsaison, die solche Stellplätze ermöglicht. Nach einem Sonnenbad der besseren Hälfte führte uns ein Spaziergang in die einzige geöffnete Strandbar, ein großes Bier und eine Cola kosteten immerhin 6 Euro.

Nachdem uns die Chefin der Reisemobilküche gesättigt hatte, ließen wir uns auf der Terrasse einer noch geschlossenen Strandbar mit unseren Stühlen nieder und beobachteten fast eine Stunde den Sonnenuntergang.

Durch die sich ständig verändernden Wolkenformation boten sich den Augen abwechslungsreiche Bilder, von düster bis leuchtend rot.

Der Tag hat über 140 Bilder gebracht, es fällt sehr schwer, sich beim ersten durchstöbern von ca. 50 Bildern zu trennen. Das ist der Fluch der Digitalbilder, kostet ja nichts, also knipst man ein meist schönes Foto nach dem anderen. Beim nächsten durchsehen müssen noch mal mindestens 50 Bilder daran glauben.

Wir stehen den vierten Tag frei, so langsam müssen wir uns um Ver- und Entsorgung kümmern. Wir planen daher einen Tipp von Peter Höh zu folgen und bei einem Agriturismo mit Reisemobilstellplatz ca. 12 Kilometer vor Castelsardo zu übernachten.

La Maddizza - Valledoria

Am nächsten Vormittag, nach einer Fahrt mit teilweise schöner Aussicht auf das Meer durch eine grüne Landschaft kurvten wir auf den Hof des doch schon sehr professionell aufgemachten Agriturismo Crabileddu in La Muddizza. Ein ruhiger begrünter Parkplatz für PKW und Platz für 10 Reisemobile mit Ver- und Entsorgungsstadion war vorhanden. Im Restaurant war eine große Tafel für ca. 30 Personen gedeckt, wir vermuteten bald Trubel und fuhren zurück nach Valldoria - La Ciaccia, zum Stellplatz Ponto Margnani, etwa 200 Meter hinter dem Camping Valledoria International gelegen.

Schilder im Ort

Valledoria ist der größte Ort in der Coghinas-Mündung und bekannt für seine exzellenten Sandstrände und vielen Dünen. Der schön angelegte Wiesenplatz Ponto Margnani mit rund 50 Stellplätzen in unterschiedlichen Bereichen liegt hoch oben über dem Meer. Ein Zugang zum Strand ist vorhanden.

Da hier nur 3 Reisemobile standen, konnten wir uns einen Platz in der ersten Reihe sichern, mit herrlichem Blick auf das Meer und den über 15 Kilometer langen Sandstrand. Traumhaft schön, allerdings pfiff dort anfangs tagsüber der Wind ganz ordentlich.

Ein freundlicher Mitarbeiter erklärte uns den Zugang zum Strand und zeigte uns die Duschen, übrigens alle fünf quasi im Freien, nur kaltes Wasser und nur zwei Duschen hatten Vorhänge. Die Gebühr beträgt pro Tag 12 Euro plus Strom 2 Euro. Eine super angelegte Ver- und Entsorgungsstadion rundete das Angebot ab. Die drei in der Umgebung gelegenen Campingplätze waren noch geschlossen.

In den umliegenden Ortschaften brummte Mitte Mai wahrlich nicht der Bär. Selbst die meisten Restaurants waren noch geschlossen.

Dieser Küstenabschnitt lebt nur ca. ab Anfang bis Mitte Juni bis in die zweite Septemberhälfte auf. Dann soll es hier allerdings Knüppeldick voll sein. In dieser Zeit werden sicherlich auch die Übernachtungsverbotsschilder (Halteverbot für Caravans und Reisemobile von 22 bis 8 Uhr) an den Strandparkplätzen kontrolliert.

Nach drei Tagen Reisemobilküche war mal wieder ein Restaurantbesuch fällig, die Erkundungstour mit dem Motorroller am Mittag hat ein ansprechendes Lokal in Valledoria ergeben. Die Chefin war eine Belgierin, eigentlich auch eine halbe Holländerin, wie sie uns erklärte. Sie versuchte sich mit uns in Deutsch zu verständigen. Das Essen war in Ordnung, das Preisleistungsverhältnis war akzeptabel. Zufrieden traten wir die Rückfahrt bereits im Dunkeln an. Der Wind hatte am Abend nachgelassen, das Wellenrauschen, des Reisemobilsten schönstes Einschlafgeräusch, begleitete uns die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen stand ein ausgedehnter Standspaziergang auf dem Programm. Zunächst mit dem Motorroller zum Einkaufen gekutscht, dann schlenderten wir an den herrlichen Strand entlang, bis uns der Zu- und Abfluss der Lagune zum umkehren zwang.

So etwas gibt es tatsächlich, ein menschenleerer kilometerlanger Strand! Herrlich ...

Stellplatz auf der Klippe

Castelsardo und Roccia dell’Elefante

Wir starteten am Nachmittag mit dem Motorroller nach Castelsardo.

Das schön anzusehende Altstadtzentrum mit seinen engen und verwinkelten Gassen liegt in einzigartiger Lage auf einem ins Meer ragenden Felskegel.

Da laut Reiseführer selbst italienische Kleinwagen fast schon Probleme bekommen, wenn sie durch die schmalen Altstadtgassen fuhren, waren wir froh, dass unser Motorroller uns begleitete. Wir kurvten bis unterhalb des Kastells und eroberten dann per Pedes die in der Tat sehr enge Altstadt. Überall wurden an den Hauseingängen von Frauen in Handarbeit geflochtene Korbwaren angeboten. Ein alte Tradition in dieser Stadt, was auch im heimatkundlichen Museum des Kastells unter Beweis gestellt wurde.

Die Kathedrale Sant Antiono mit ihrer Majolikakuppel liegt auf einem Felsvorsprung über dem Meer. Darüber das genuesisches Kastell, von dort hat man eine herrliche Aussicht auf die Dächer der Stadt bis tief unten auf das Meer. Dazwischen die interessante Kirche Maria delle Grazie.

Ein Besuch im Museum, und diese Vase schämt sich nicht einmal ...

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Für die Rückfahrt haben die auf der S 134 Richtung Sedini den wahrscheinlich meist fotografierten Felsen auf Sardinien in der Form eines Elefanten aufgesucht. Der „Roccia dell’Elefante“ ist ein weiteres erstaunliches Beispiel, was die Natur und der Verwitterungsprozess hervorbringen können.<

Der “Wäschewächter”

Im Innern des Trachytfelsen sind drei prähistorische Gräber gefunden worden.

Nachdem wir pflichtbewusst unsere Bildchen geschossen hatten, düsten wir mit dem Motorroller zurück nach Valledoria.

Mit unseren neu angekommenen netten Reisemobilnachbarn tauschten wir Erfahrungen über Reisen aus, weitere Nachbarn waren auch in der Heimat fast Nachbarn, sie kamen aus Essen-Burgaltendorf, nur wenige Kilometer von unserer Heimatstadt Hattingen entfernt. Witzigerweise wohnen sie auf der derselben Straße, wo der Autor vor 45 Jahren als Jugendlicher wohnte. Die Reisemobilküche bot am Abend ein leckeres Gericht, Spagetti mit Tintenfischringen, garniert mit winzigen Tintenfischen, sowie Garnelen, das Ganze natürlich mit reichlich Knoblauch gewürzt.

Wir waren uns noch nicht darüber im Klaren, ob wir dieses wunderschöne Plätzchen am nächsten Tag bereits verlassen wollten.

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgedehnten Frühstück war die Entscheidung einfach, wir legen einen Faulenzertag ein. Tolles windstilles Wetter, lesen und am Nachmittag eine Runde schwimmen, ein wenig das Reisemobil aufgeräumt und schon war der Tag mit einem Bilderbuch Sonnenuntergang rum. Auch am nächsten Tag konnten wir uns noch nicht von dem „Panoramaplatz“ trennen, nette neue Nachbarn aus Bayern (Franken) rundeten den Tag ab.

Leider scheiterte der Versuch, gemeinsam in Agriturismo Crabileddu in La Muddizza für 25 Euro das Menü zu essen. Das wurde erst wieder am Samstag gegen Vorbestellung angeboten. Aber die leckere Pizza in Valledoria war auch nicht zu verachten, insbesondere die Vorspeisen, Cozze Gratin und Insalata Frutti de Mare. Anschließend genossen wir ein letztes Mal nach vier Übernachtungen den herrlichen Ausblick auf das Meer vom Stellplatz.

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