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Iglesias - Buggerru

Zum Einkaufen fuhren wir über Iglesias, eine lebendige Stadt mit engen Straßen im Landesinneren. Ein großer Supermarkt lockte uns mit vielfältigen Angeboten. Mit aufgefüllten Vorräten machten wir uns auf den kurvigen Weg durch die schroffen Kalkberge der Oridda bis auf 565 Meter Passhöhe nach Buggerru. Hinter uns fuhr ein mittelgroßer Linienbus mit der Aufschrift Buggerru. Klasse, bei nächster Gelegenheit vorbeilassen, das ist doch ein guter Führer, so der Gedanke des Piloten. Kaum war der Bus vorbei, war er auch schon verschwunden. Es war so, als wenn ein Fiat 500 hinter einem Ferrari fährt. Wir sahen auch nur einen einzigen Fahrgast, eine ältere Frau. Wahrscheinlich war die Dame „seefest“. Als wir in den Hafen von Buggerru fuhren, saß der Busfahrer in seinem Bus und machte Pause. Gelangweilt erwiderte er unseren Gruß.

Ein jüngeres Paar aus Hamburg berichtete bereits vor einigen Tagen ganz begeistert von dem ehemaligen Bergarbeiterdorf Buggerru, dort sei es herrlich und alles wäre deutlich preiswerter als an der touristischen Südküste.

Ursprünglich zierte sich die junge Frau ein wenig  den „Geheimtipp“ zu verraten, dann zeigte sie uns doch den Ort auf der Landkarte.

Siehe da, unsere Routenplanung zuhause hatte diesen Ort auch auf der Liste und auf der Karte bereits gekennzeichnet. Nun konnte die junge Frau ruhiges Gewissen nach Hause fahren, kein Verrat eines geheimen Stellplatzes. Sie lachte und meinte, so schlimm sei es doch auch nicht! Aber nächstes Mal führen sie direkt dort hin. Wir waren sehr gespannt.Der große ruhig gelegene Stellplatz mit Ver- und Entsorgung am Ende des Hafens unmittelbar am Sandstrand ist leider inzwischen geschlossen. (2007)

Unser erster Eindruck hat uns nicht auf Anhieb begeistert, das Dorf ist eng von hohen kahlen Felswänden umgeben. Peter Höh: „ … eingeklemmt in einer tief eingeschnittenen, fast klaustrophobisch engen Schlucht“. Dennoch sind wir einige Tage geblieben.

Dahinter erhebt sich düster eine stillgelegte Mine mit verrotteten Verlade- und Förderanlagen. Das Meer war aufgewühlt, beträchtliche Wellen rollten geräuschvoll an den Strand. So richtiges „Urlaubsflair“ wollte bei uns bei dieser Atmosphäre nicht aufkommen. Dennoch standen am ersten Tag sieben weitere Reisemobile auf dem ebenen Platz. Die Sonne erreicht den Stellplatz wegen der Berge erst im Laufe des Vormittag, dafür scheint sie bis zum Abend auf den Platz.

Ein großes Lob an den Gemeindebeamten, der täglich die Gebühr kassierte: Waren morgens die Rollos noch runter, wurde nicht geklopft, sondern diskret ein Zettel hinter dem Scheibenwischer geklemmt. Kassiert wurde später. Eine Streicheleinheit für unseren kleinen Hund war auch immer dabei.

Ein Bummel nach einem kräftigen Regenschauer zur der kleinen Markthalle bestätigte, dass hier die Preise etwas günstiger als an der Ost- und Südküste sind. Die frischen, allerdings kleinen, Doraden kosteten hier mit 10 Euro das Kilo bis zu 6 Euro das Kilo weniger.

Der örtliche ISA-Alimentari in der Via Roma ist ein Kramladen nach Tante Emmas Art, bot aber fast alles was das Herz begehrte. Insbesondere hatten es uns die leckeren eingelegten grünen Oliven angetan.

Am Anfang des 19. Jahrhundert schufteten hier die Arbeiter in den Zink-, Blei- oder Silberminen mit einer Lebenserwartung von 35 Jahren 12 bis 14 Stunden am Tag, an 7 Tagen in der Woche. In Buggerru schossen 1904 Polizei und Militär auf die streikenden Arbeiter, diese Ereignisse lösten den ersten italienischen Generalstreik aus. Diese Begebenheiten werden mit einer Gedenkstätte gewürdigt.

Im gemütlichen Ristorante di Nataloni in einer Nebenstraße Buggerrus ließen wir uns zum Abendessen nieder.

Speisenkarte? Fehlanzeige. Der Wirt, der auch der Küchenmeister war, zählte uns seine Speisenkarte auf. Bei uns bekannt vorkommenden Worten stimmten wir zu. Si, due … Als Antipasti (Vorspeise) erhielten wir eine große Portion Muscheln in einem Tomatensud, ausgezeichnet!

Der zweite Gang war gegrillter Schwertfisch, mit klein gewürfelten Tomaten belegt, auch in einem leckeren Sud. Molto buono! Der Wirt strahlte. Sein Vino de Casa bianco war auch lecker, so kam zweimal ein halber Liter auf den Tisch.

Zwei Kaffee rundeten das Essen ab. Conto prego!

Nun ja, es gab eine unaufgeschlüsselte Quittung über genau 40 Euro. Aber unsere Blicke zu italienischen Gästen offenbarten vergleichbare über den Daumen des Wirts gepeilte Rechnungen.

In dieser und folgenden ruhigen Nächten lullten uns die Wellen in den Schlaf, ein herrliches Geräusch ... mal wieder höchste „Glückseligkeit“ eines nach Meer süchtigen Reisemobilsten. Buggerru gefiel uns von Tag zu Tag besser.

Wandzeichnung Buggerru im Restaurant.

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