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Elblag (Elbing)

Am frühen Nachmittag brach die Truppe ins knapp 40 Kilometer entfernte Elbing auf. Der Campingplatz liegt Stadtnah am Elbingkanal. Allerdings ist die in der Nähe vorbeiführende Hochstraße etwas zu hören. Auch hier alles einfach, aber sauber.

Für den Abend wurde der Pizzadienst angerufen, für 14 Zloty gab es eine gut belegte leckere Pizza mit Garnelen und Gurken (!), eben auf polnische Art. Ab 21 wurde vor dem Reisemobil von HEKA-Mobilreisen der Fernseher eingeschaltet, schließlich lief noch die Fußballweltmeisterschaft, es spielte Deutschland gegen Italien. Da Deutschland das Spiel verloren hat, verkrochen wir uns nach der Verlängerung leicht angesäuert in die Reisemobile.

Kanal Ostrodzko-Elblaski (Oberländischer Kanal)

Am nächsten Morgen spazierten wir bereits um 7:10 Uhr zum Hafen und schifften uns für eine um 8 Uhr beginnende Schiffsfahrt auf dem Elbingkanal ein. Die quasi ausgebuchten Boote wurden bereits 1965 gebaut und machten den Eindruck, dass sie noch mal 40 Jahre fahren würden. Betulich durchschifften wir die ersten 2 Stunden pure Natur und durchquerten den See Druzno. Wasservögel aller Arten begegneten uns, vom Fischreiher bis zur Möwe. Dann die erste Rampe, leider seit einigen Wochen defekt, also aussteigen und zu Fuß den Höhenunterschied überwinden. Kein Problem, oben wartete ein anderes Schiff gleicher Bauart auf uns.

Der Wasserweg entstand von 1845 bis 1860 und gilt noch heute als technisches Wunderwerk. Er überwindet einen Höhenunterschied von rund 100 Metern mit zwei Schleusen und fünf Rampen zu Land. Auf diesen „Rollbergen“ verlaufen zwei Schienenstränge parallel. Die Schiffe werden mit Wasserkraft in spezielle Transportgestelle hochgezogen. Als Gegengewicht fungiert ein zweiter Wagen, der mit einem Seil über eine Rolle am ersten befestigt ist und sich im gleichem Tempo bergab wir gegenüber bergauf bewegt.

Über 5 Stunden dauerte die friedliche Fahrt, die Zeit verging dank netter Unterhaltung schneller als gedacht. Die „Bar“ des Schiffes bot Getränke und einige Snacks zu aus unserer Sicht moderaten Preisen an. (Cola 4 Zloty, 2 kleine Würstchen mit einem Brötchen 6 Zloty) Das ganze etwas rustikal, der Service eher polnisch sozialistisch, da unter städtischer Regie. Aber dennoch, eine herrliche Fahrt bei bestem sonnigen Wetter. Ab späten Vormittag waren die Plätze unter Deck beliebt. Ein moderner Mercedes Kleinbus brachte uns zum Campingplatz zurück.

Gegen 18 Uhr begann eine knapp zweistündige Stadtführung durch Elbing. Unser Führer verspätete sich etwas, er stand im Stau und hat sich per Handy entschuldigt. Gemütlich haben wir vor einem Schiffsrestaurant gesessen und ein kühles Getränk genossen, welches vom Reiseleiter ausgegeben wurde.

Der Führer, ein ehemaliger Geschichtslehrer, Lech Slodoenik, hat uns locker, freundlich und kenntnisreich durch die Innenstadt von Elbing geführt. Lech fuhr anschließend mit einem Ehepaar in die Heimat deren Eltern in der Nähe von Elbing.

Ich wurde informiert, wie die polnischen Bezeichnungen der ehemaligen deutsch Straßen lauteten, denn hier haben meine Eltern eine Zeitlang gelebt. Lech ging nach Hause und machte mir sogar Kopien eines Stadtplanes mit deutschen Straßenbezeichnungen von Elbing. Solch freundliche und engagierte Führer mit so vielen Detailkenntnissen wünscht man sich bei allen Führungen.

Gänsehaut verursachte die Schilderung der fast vollständigen Zerstörung der Altstadt kurz vor Kriegsende. Noch vor ca. 20 Jahren war die Altstadt rund um die Marienkirche eine Wiese. Inzwischen ist ¼ der Altstadt nach alten Plänen wieder aufgebaut. Der Abend klang aus bei leckeren polnischen preisgünstigen Gerichten im belebten Schiffsrestaurant am Ufer des Elbingflußes. Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende.

Weiter: Olsztyn (Allenstein)

 

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