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Polen

Noch immer sind die Vorurteile gegenüber diesem Land im Herzen Europas ausgeprägt, die üblichen Kalauer über die angebliche polnische “Klaumentalität” bekamen auch wir zu hören. Wir haben diese Vorurteile lächelnd zur Kenntnis genommen. Natürlich haben wir uns vorgenommen Polen und auch das Baltikum mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu bereisen. Es fragt sich nur, ob noch Unterschiede zu z.B. südlichen Ländern Europas zu machen sind. Es sei bereits an dieser Stelle gesagt, wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Minimale Einschränkungen ja, aber keine, die nicht überall auftreten können. Weiteres im Bericht.

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Polen bietet mit seiner 524 Kilometer langen Ostseeküste mit feinsandigen Stränden nicht nur „Küste pur“. Die Seenplatten und Nationalparks vermitteln Natur und Ruhe. Schöne restaurierte Städte, Geschichtliches begegnet uns Reisenden auf Tritt und Schritt. Die wechselhafte Geschichte Polens ist mit uns Deutschen jahrhundertelang eng verbunden, bis hin zum unrühmlichen Krieg des größenwahnsinnigen selbst ernannten Feldherrn Hitler. Deutsche Traditionen in den westlichen Regionen und im Osten slawisches Brauchtum zeugen von einer widersprüchlichen Geschichte. Die Loslösung vom kommunistischen Regime, nicht zuletzt vom polnischen Papst Johannes Paul II und Lech Walesa ausgelöst, leitete die Wende ein, 1990 wurde Polen wieder eine parlamentarische Republik und das Land ist im Mai 2004 der EU beigetreten. Wer sich mehr über Polen informieren möchte, der ist bei Wikipedia gut aufgehoben. Grundsätzlich verweisen fast alle Links in diesem Bericht auf Wikipedia. Übrigens, der Stern hat 50 zufällig ausgewählte Einträge aus Wikipedia aus den Fachgebieten Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Kultur, Unterhaltung, Erdkunde, Medizin, Geschichte und Religion überprüft. Die vier Kriterien Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit wurden mit Schulnoten bewertet. Wikipedia erzielte über alle Bereiche eine Durchschnittsnote von 1,7.

Start der Reise

Mitte Mai war es soweit, wir starteten unseren „Big Grasshopper“ Richtung Berlin. Schnell noch auf eine Fahrzeugwaage eines Recyclingbetriebes gefahren, schließlich waren alle Tanks und Stauräume randvoll, zwei Reserveräder waren an Bord, der Motorroller musste ja auch mit. Freundlich lächelnd sagte der Mann an der Waage: „5.160 Kilogramm“. Plus der Fahrer, also rund 5.240 Kilogramm. Kein Beleg erforderlich? Kein Geld, aber einen kleinen Obolus in die Kaffeekasse. Aber das Ergebnis passt, Mercedes Benz hat ja kürzlich die Freigabe für ein zulässiges Gesamtgewicht von 5.300 Kilogramm für den Sprinter 518 cdi erteilt, die Eintragung in die Fahrzeugpapiere ist allerdings noch nicht erfolgt. Bald kurvten wir auf die nahe Autobahn.

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Helmstedt

Da wir erst gegen Mittag gefahren sind, steuerten wir am späten Nachmittag nach 340 Kilometern den Stellplatz in Helmstedt an, nahe an der Autobahn (die sogar noch etwas zu hören war) in einem Wohngebiet neben einem Teich auf einer Wiese. Die Küche blieb kalt, eine leckere türkische Pizza in einem bisher noch nicht gekannten gewaltigen Umfang für 3 Euro tat es auch.

Polen nur als Durchreiseland?

Polen sollte ein wenig mehr als nur Durchreiseland zum Baltikum sein, wenn auch nur ein kleiner Teil dieses Landes auf dem Reiseplan steht. Am nächsten Morgen entschieden wir uns gegen Wolin in Polen und fütterten das Navigationsgerät mit den Daten von Kolobrzeg (Kolberg) an der Ostseeküste. Die Autobahn in der Uckermark wies noch einige Kilometer den Belag aus DDR-Zeiten aus, 80 km/h war erlaubt auf der einspurigen Strecke. „Hier soll ich 80 fahren?“, so die Fahrerin, egal ob 60 oder 80 km/h, das Rappeln und poltern der Achsen war unüberhörbar. 

Einreise nach Polen

Die Grenze passierten die Pilotin zügig ohne Kontrolle Richtung Szczecin (Stettin), zunächst gute Straßen, später immer wieder Abschnitte mit welligen Belag und ausgebesserten Schlaglöchern auf der E 28. In Nowogard, in der „PKO Bank Polski“ tauschte die Finanzministerin 200 Euro, wundersame Geldvermehrung, 856,77 Zloty wurden ausgezahlt. Der Kurs 4,3271, grob gerechnet sind 10 Zloty 2,30 Euro. 

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Parken mit einem 7,30 Meter Reisemobil in der Stadt? Manchmal kein Problem! Der Klotz im Hintergrund auf dem Bild ist die Bank.

Der Abzweig nach Kolberg ließ uns erste Bekanntschaft mit den schmalen Landstraßen in Polen machen, so tourten wir gemächlich durch die schöne Landschaft.

Nur die Kontrollleuchte des Dieseltanks nervte, aber noch rechtzeitig erreichten wir eine moderne Tankstelle, knapp 90 Cent kostete der Liter Diesel, hier „ON“ genannt. Für die gesamte Tour habe ich mir vorgenommen, die einheimischen Tankstellen zu bevorzugen, heute ist das mit „Orlen“ gelungen.

Kolobrzeg (Kolberg)

Am frühen Abend fuhren wir einen Stellplatztipp an. Gegenüber eines Betonwerkes, neuerdings als Firmenparkplatz ausgewiesen, sollten wir übernachten? Nur 100 Meter vor dem kleinen Campingplatz bzw. mehr Stellplatz „Port Jachtowy“ am Yachthafen? Das passt nicht in unsere Philosophie, für 10 Euro ohne Strom konnten wir zusammen mit zwei anderen Reisemobilen hier mit Blick auf den Hafen gut übernachten. Einfache Sanitäranlagen, sowie ein Sickerschacht für die Toilette rundeten das Angebot ab.

Das Wetter war sonnig, aber recht kühl und windig. An der Strandpromenade, in der Nähe des Leuchtturmes fanden wir ein nettes Restaurant in der ersten Etage mit herrlichem Blick über den Sandstrand und das aufgewühlte Meer, Sonnenuntergang inklusive. Die Möwen kämpften gekonnt gegen die Winde an. Die Spaziergänger auf der Promenade schloßen die Jacken und schlugen die Kragen hoch. 

Wir wurden nett bedient, zu Preisen, die zumindest aus unserer Sicht sehr günstig waren. Die Portion Dorsch mit Salat und Bratkartoffeln kostete knapp 5 Euro. Alles in allen sehr angenehm, ein ¼ Wein und ein großes Bier, zwei ordentliche Eisbecher, Espresso und Büffelgraswodka für 110 Zloty. Wer mag, kann ja jetzt umrechnen! Am Abend im Yachthafen erfreute die Tatsache, dass ein kostenloser Internetempfang möglich war. Zufrieden verkrochen wir uns später in unsere Betten. 

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Kolobrzeg Basilica

Allerdings bereits recht früh - war es 5 Uhr? - tauchten die ersten Pkws auf, offensichtlich Frühaufsteher, es waren Angler. Aber nur eine kurze Störung, die Decke über die Ohren gezogen, der Schlaf stellte sich wieder ein.  

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Der Morgen begrüßte uns mit leichtem Regen, dennoch erkundeten wir Kolberg. Der Regen hörte freundlicherweise zwischendurch auf, aber dicke Jacken waren unerlässlich. Der renommierte Kurort wurde zum Ende des Krieges fast vollständig zerstört. Die Polen bauten die Stadt neu auf, in der Altstadt wurden einige historische Häuserzellen rekonstruiert. Der Mittelpunkt der Altstadt ist die Marienbasilika, bereits um 1300 wurde die dreischiffige Kathedrale fertig. Nach dem Krieg wurde die restaurierte Kirche erst im Jahre 2000 (!) wieder eröffnet. Die Besichtigung der erhaltenen Schätze ist sehenswert. Wir bummelten an Schaufenster vorbei, versorgten uns mit frischen Brötchen und schlenderten zurück zum Stellplatz. Noch schnell die Toilette geleert, dann starteten wir Richtung Rügenwalde.

Darlowo (Rügenwalde)

Die knapp 80 Kilometer fuhren wir gemächlich, erst recht als wir die E 28 verließen und auf engen und vielfach ausgebesserten Landstraßen fuhren. Die „Pommersche Seenplatte“ ließ unterwegs grüßen. Der trübe Himmel, der leichte Regen ließen die Dörfer doch trister aussehen. Aber immer wieder neue und renovierte Häuser, „zwischen Abbruch und Aufbruch“ so könnte man die Situation auf dem Land beschreiben.

Rügenwalde kennt fast jeder, oder?

Um es vorweg zu nehmen, die berühmte gleichnamige Teewurst wurde hier zwar um 1850 erfunden, aber heute wird diese Wurst in Niedersachsen produziert.

Der Parkplatz am Park wurde vom Reiseführer als „Stellplatz“ beschrieben, daneben ein „Netto-Markt“. Wir erreichten diesen Ort im stetigen Regen, lange Gesichter breiteten sich aus. Jetzt ein Spaziergang in den Ort? Kurzer Blick nach draußen, nein Danke.

Später klopfte es am Mobil, eine junge Frau radebrechte etwas von Problemen am Auto. Ein Taxifahrer kam hinzu und fragte uns nach einem Batteriekabel, er meinte ein Überbrückungskabel, da konnte ich helfen. Dank der kräftigen Batterie des Taxi-Daimlers war der kleine Fiat bald wieder flott. Fein säuberlich wieder eingepackt brachte die Frau freundlich dankend das Kabel zurück.

Den restlichen Tag verbrachten wir bei Dauerregen im Mobil, der eine las, der andere schrieb diese Zeilen. Ein kurzer Einkauf nebenan im Supermarkt mit guter Auswahl vervollständigte die Vorräte.  

Nach einer fast ruhigen Nacht begrüßte uns am nächsten Morgen die Sonne, gut für einen Spaziergang durch den Ort. Rügenwalde, eine nette pommerische Kleinstadt, verfügt über eine gut erhaltene Altstadt, die im Krieg nicht zerstört wurde.

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Allerdings könnten einige Häuser mal eine Renovierung gebrauchen. Auch am Rathaus und an der Marienkirche hat der Zahn der Zeit ordentlich genagt.

Das innere der Kirche haben wir aus Respekt vor den Gläubigen am heutigen Sonntag nicht besichtigt, es fand gerade ein Gottesdienst statt. Irritiert nahmen wir wahr, dass Beifall aufbrandete, der Geistliche musste wirklich gut sein …

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Dieser Geistliche hatte scheinbar heute frei. Er betrachtete “seine” Kirche.

Durch die schön angelegte Fußgängerzone mit vielen kleinen (oft bescheidenen) Geschäften schlenderten wir zum Reisemobil zurück. Angebote aller Art, oft in der Optik der späten 50er Jahre dargeboten. So wie dieses Lebensmittelgeschäft, das an „Tante Emmas“ Lebensmittelgeschäft erinnerte, hier ein Blick durch die Scheibe.

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Leba

Wir fuhren später über schmale Landstraßen, durchquerten viele kleine Dörfer und staunten über die unendlich weite Landschaft. Wälder, kräftig gelbe Rapsfelder und Weiden. Die Nebenstraßen waren überwiegend in einem miserablen Zustand, die Schlaglöcher mal ausgebessert, mal nicht. Heftige Bodenwellen ließen das Mobil trotz langsamer Geschwindigkeit hin und wieder bis zum Anschlag durchschlagen. Gegenverkehr war auf den schmalen Straßen nur konzentriert zu absolvieren, denn am Rand waren noch mehr Schlaglöcher, der Seitenstreifen oft tief und nicht befahrbar. Die alten Baumalleen sind auch nicht ohne, die Bäume sind ja als „Ökobremse“ bekannt, aber das bekommt dem Mobil nicht so gut. Also weiter vorsichtig fahren und die eigenen Bremsen nutzen. Dafür sank der Dieselverbrauch auf rund 11,5 Liter.

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Am Strand von Leba fanden wir auf einem, in der Saision gebührenpflichtigen Parkplatz vor dem noch geschlossenen Campingplatz „WGP Iskra“ ein ruhiges Eckchen.

Ein erster Blick auf den weitflächigen schönen Sandstrand ließ für den nächsten Tag den Plan entstehen, am Wasser entlang eine Wanderung zu den bekannten Wanderdünen in dieser Gegend zu machen.

Leba ist ein insbesondere im Sommer ein lebhafter touristischer Ort, viele Restaurants, Andenkenläden, Kleidung und was sonst so noch das Herz begehrt. Zu dieser Zeit war das Angebot noch sehr eingeschränkt, es fehlten noch viele Touristen.

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Nach einem Rundgang durch den Hafen und der Hauptstraße Lebas landeten wir in einem Selbstbedienungsrestaurant mit harten Stühlen, die Lehne “rückenfreundlich” aus Schmiedeisen. „Halibut“ (Heilbut) kam für kleines Geld auf den Teller. Da der Speiseraum nicht geheizt war, nahmen wir die rund 2,5 Kilometer zurück zum Stellplatz am Strand flotten Schrittes. Am Reisemobil angekommen, war uns wieder etwas wärmer. Unsere Hoffnung für den nächsten Tag, halbwegs stabiles Wetter.

Am späten Abend, gegen 23 Uhr spielten Polen uns etwa 20 Minuten immer wieder die Melodien der Alarmanlage ihres Autos in allen Tonlagen vor, gut dass wir nicht so früh ins Bett gehen. Das Fahrzeug haben wir am nächsten Tag ein Stück weiter an einem anderen Campingplatz gesehen. Auch hier gibt es Kleingeister.

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Solwinzischer Nationalpark

Die Nacht war dagegen sehr ruhig, allerdings begann es am Vormittag zu regnen. So machten wir es uns gemütlich und wir kamen erst gegen 12 Uhr raus, als es etwas aufklarte. Wir wanderten gut 8 Kilometer am Strand entlang, zu den bekannten Wanderdünen. Lang zieht sich der feine weiße Sandstrand hin, die Kieferwälder begrenzen den Strand hin zu einer beeindruckenden Dünenlandschaft.

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Der „Blanke Hans“ holt sich Jahr für Jahr einige der Bäume.

Glück gehabt, nur wenige Tropfen fielen unterwegs. Endlich erklommen wir die riesigen Dünen, auch „Polska-Sahara“ genannt. In der Tat, ein gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht verleugnen. 

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Wir hatten Glück, die Busladungen, die wir von weiten gesehen haben, waren durch, so standen wir völlig allein auf dem „Gipfel“.  

Die Höhe der Dünen erreichen bis zu 50 Meter, rund 10 Meter wandern die Dünen im Jahr, je nach vorherrschenden Wind und abhängig davon, wie stark die Dünen durch wurzelne Pflanzen stabilisiert wurden. Der Blick auf diese Landschaft war sehr beeindruckend.

Zurück nach Leba ließen wir uns einen Teil der Strecke durch die Kiefernwälder mit einem Elektrokarren bis zum Parkeingang kutschen, die restlichen gut 3,5 Kilometer marschierten wir flott zum Reisemobil.

Weiter ging die Fahrt Richtung Danzig.

Ein empfehlenswerter Campingplatz in Leba ist übrigens „Camping Morski 21“, den wir kurz besichtigt haben. Moderne Sanitäranlagen, bewacht und viel Platz, etwa 1,5 Kilometer vom Zentrum. In der Vorsaison ein günstige Pauschalpreise, alles inklusive: www.camping21.interleba.pl

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