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Latvija (Lettland)

Auch das mittlere Land des Baltikum bekennt sich heute wieder zu seiner eigenständiger Kultur. Ein Land mit viel Natur, herrlichen Ostseestränden und überwiegend ländlichen Strukturen. Auch hier tickten die Uhren noch anders, wie wir später feststellten. Bereits vor über 800 Jahren begann die deutsche Kolonisation der Baltenländer von Riga aus. Die 50 Jahre Sowjetherrschaft möchten die Lettauer am liebsten vergessen, die deutsche Vergangenheit wird wieder in vielen Orten gepflegt. Weitere Informationen über Lettland bei Wikipedia.

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Grenzübergang - Jürkaine

Bei leichtem Gewitter und etwas Regen überquerten wir die unbewachte Grenze bei Plunge nach Lettland. Rich lästerte nach weiteren Grenzen, wenn man mit Loewes Grenzen überquert, dann ist das Wetter immer schlecht… wir haben das eigentlich umgekehrt gesehen.

Die Straßen waren nur selten gut. Je weiter wir uns der Ostseeküste näherten, je besser wurde das Wetter, blauer Himmel zeigte sich.

Der Parkplatz ein Stellplatztipp hinter den Dünen an einem kleinen freien Zeltplatz verfügte über eine Trockentoilette; ein schöner Übernachtungsplatz.

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Zunächst diente ein Spaziergang am weitläufigen Strand unser aller Entspannung. Später tauchte noch der Parkwächter auf, 4 Lats (ca 5,70 Euro) sollte die Übernachtung kosten. Er gab sich merkwürdigerweise mit 2,40 Euro zufrieden, da wir noch keine Lats hatten. Die Nachtruhe war ungestört, die nahe Landstraße war ruhig.

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Kuldiga (Goldingen)

Graue Wolken und stetiger Landregen begrüßte uns am Morgen, noch nicht ahnend, dass dieses Wetter uns den ganzen Tag begleiteten würde. Die Parkgebühr war gut angelegt, unsere Mobile wurden von einem jungen verspielten Schäferhund bewacht, der darauf lauerte, das jemand heraus kam. Allerdings war der doch schon große Hund derart lästig, alle Abwehrversuche versagten, er tanzte und sprang herum, also nix wie weg..

So fuhren wir zunächst nach Kuldiga, hier sind noch einige Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Die Stadt an den Ufern der Venta wurde bereits 1242 erwähnt.

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Mit Regenjacke und Schirm stiefelten wir vom Rathausplatz los, wir sind eben beinharte Touristen. Ich glaube, wir waren an diesem Tag die einzigen. Aber die Tourist-Info hatte geöffnet, ein Stadtplan half für die Orientierung. Nach dem Besuch einer Bank (100 Euro = ca. 70 Lats Lats/Lati), 1 Lats = 100 Santims, also etwa 1,43 Euro) konnten wir auf dem Minimarkt Bio-Erdbeeren kaufen, allerdings kostete das Kilo stolze 7 Lats. Hier funktionierte der Preisalarm noch nicht, die Währung war uns noch zu fremd. Die sauren eingelegten Gurken waren deutlich preiswerter.

Ein Blick in eine Kirche offenbarte ein frisch renoviertes Innere der Kirche. Die Jungs (oben) hatten sich das Abendessen geangelt.

Der Regen machte die Stadt nicht unbedingt freundlicher, dennoch schlenderten wir weiter bis zur Brücke über die Venta, um einen Blick auf den breitesten Wasserfall Europas zu werfen. Am Ufer standen regeungslos die geduldigen Angler in ihren Regenmänteln.

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Zurück zu dem Stellplatz, den ich persönlich nicht für eine Übernachtung anraten würde, fuhren wir in das kleine moderne Einkaufszentrum am Stadtrand und erneuerten unser Vorräte.

Ventspils (Windau)

Regen, Regen, also was tun? Auf zur nächsten Stadt. Ventspils liegt an der lettischen Westküste und ist der wichtigste Hafen Lettlands. Die wechselhafte Geschichte von der Hansestadt im Mittelalter, bis zur Pestepidemie über den Bau von Kriegs- und Handelsschiffen, bis hin zu einem der bedeutenden Ausfuhrhäfen Russlands, belegt eine lebendige Geschichte.

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Die kleine Altstadt war schnell erkundet, die Nikolauskirche besichtigt, vor der wir von einer Frau angebettelt wurden.

Der Regen wurde nicht geringer, also auf zum Übernachtungsziel dieses Tages.

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Die Landstraße P 124 führte uns an der Küste entlang, durch endlose Wälder. Plötzlich endete die Asphaltstraße und eine breite Schotterpiste begann. Wird ja nicht so lang sein, so hofften wir. Das wir allerdings rund 40 Kilometer diese Waschbrettpiste befuhren, war dann doch recht heftig. In Verbindung mit dem Regen ein Vorteil, es staubt nicht so.

Aber es wurde bereits an der Straße gearbeitet, ein Zwischenstück ist bereits aufs Feinste asphaltiert. Immer die richtige ausgefahrene Spur mit wenig Steinen suchend, rollten wir um 50 bis 60 km/h dahin, die Geräusche der Steine in den Radkästen haben wir geflissentlich überhört.

Kolkasrags (Kap Kolka)

Als wir endlich im Dauerregen am Kap Kolka ankamen, sahen unsere beiden Reisemobile aus, als wären sie eine 500 Kilometer lange Expedition gefahren. Hier am nördlichsten Punkt des Kurzeme (Kurland) fanden wir einen bewachten Parkplatz vor und ein Kiosk mit Souvenirs und Eis, Getränken usw. Die junge Frau kam sofort nach der Ankunft raus, drückte uns ein Zettelchen in die Hand, Ankunftszeit 16:45 Uhr, eine Stunde parken 2 Lats. Hoppla, das ist aber teuer! Erleichterung, die gesamte Übernachtung kostete nur 5 Lats, Wasserversorgung und Toilettenbenutzung inbegriffen.

Wind kam auf, der Regen wurde immer kräftiger, also folgte ein gemütlicher Plauschabend im Reisemobil.

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Am nächsten Morgen noch immer keine Wetterbesserung. Der kurze Spaziergang an den Strand ließ die Sandbank erkennen, welche die Ostsee von der Rigaer Bucht trennt.

Hier entstehen gefährliche Strömungen. Überall wurde vor dem Schwimmen hier gewarnt, selbst auf dem Parkzettel mit einem Stempel! Nun,die Möglichkeit zu baden haben wir Angesichts des Wetters auch nicht ernsthaft in Betracht gezogen.

Wir konnten es nicht lassen, die Reisemobile wurden mit dem hier vorhandenen Schlauch flüchtig von dem doch enormen Dreck des Vortages befreit. Übrigens, auf der weiteren Tour war so was nicht mehr erforderlich, Starkregen bescherte immer mal wieder eine kostenlose Wäsche. Nun noch die Wassertanks aufgefüllt, die Toiletten entleert und weiter ging die Fahrt.

Talsi (Talsen)

Aber was bei diesem Wetter machen, klar mal wieder eine Stadtbesichtigung! Talsi liegt zentral in der nordkurischen Hochebene und ist nahe an zwei Seen gelegen. Das soll eine der schönsten Kleinstädte Lettlands sein. Übrigens, bei Wikipedia ist ein schöneres Bild zu sehen, mit blauen Himmel.

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Wir haben die Kapuzen hochgeklappt und die evangelische Kirche auf einen Hügel liegend, besichtigen wollen, leider abgeschlossen. Nur ein Blick durch das Gitter in das Innere gelang.

Weiter durch einige Gassen erschloss sich uns die Schönheit dieser Stadt nicht recht. Lag es am Wetter? Haben wir nicht alles gesehen? 

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Neben den Häusern im “Originalzustand” gab es aber sehr schöne Holzhäuser im 1A Zustand.

Pedvale Open-Air Art Museum

Wir folgten einem Tipp des Stellplatz-Führers, das Restaurant am Freilichtmuseum Pedvale bietet eine Übernachtungsmöglichkeit.

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Der Regen wurde schwächer, die Wolken rissen ein wenig auf, allerdings blies der Wind noch heftig.

Wir wurden von einer netten, nicht mehr ganz jungen Frau auf Deutsch begrüßt. Sie erklärte die Bedingungen für die Übernachtung und den Eintritt in den Skulpturenpark insgesamt 10 Lats, in Ordnung, das akzeptieren wir gerne.

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Im Laufe des Gespräches habe ich mich erkundigt, warum sie hier sein. Sie schaute mich an und meinte, das sei eine lange Geschichte. Es stellte sich heraus, sie war eine Enkelin des ursprünglichen Besitzers des Gutes, Wolfgang von Fircks. Das Gut war dem Verfall preisgegeben, bis der Künstler Ojärs Feldbergs es erwarb und es wieder zum Leben erweckte. Sie lächelte und sagte, sie bereite gerade eine Lesung vor deutschen Industriellen in Riga vor, sie wäre ein wenig aufgeregt, wenn wir wollten, wären wir ihre Vorpremiere. Wir nahmen gerne an und vereinbarten einen Termin am Abend im Restaurant. 

Zunächst empfahl sie uns auf die Kunst einzulassen und durch das “mystische” Tor in eine andere Welt einzutauchen.

Das machten wir gerne, also erwanderten wir das weitläufige Gelände mit über 150 Exponaten unterschiedlichster Art. Über Wiesen und einem Tal mit Bach, überall waren interessante Ausstellungsstücke zu sehen. Eine fantastische Atmosphäre mit den Skulpturen, sehr schöne Landschaft. www.pedvale.lv

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Interessant ist ein Stück des „Freiheitswalls“, der in Riga von Künstlern installiert wurde, als die Sowjetunion unter dramatischen Umständen drohte, die Unabhängigkeit Lettlands zu verhindern. Denn 1990 wurde die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion vom Parlament Lettlands erklärt. Daraufhin ließ der Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, das Parlamentsgebäude in Riga zeitweilig durch sowjetische Militäreinheiten besetzen. 1991 wurde die Unabhängigkeit von Boris Jelzin anerkannt. Ein Stück ”Gänsehaut-Kunst” mit Bezug zur jüngsten Geschichte dieses Landes. 

Die Art der hier ausgestellten modernen Kunst will ich hier nicht kommentieren, zu zahlreich sind die Objekte der verschiedenen Künstler, zu vielfältig in ihrer Art. Nicht immer wurde uns klar, welche Gedanken der Künstler bei seinem Schaffen hatte. Die folgenden Bilder sollen und müssen für sich sprechen.

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Der Autor konnte es nicht lassen auf einen der großen Granitblöcke der Kunst zu huldigen oder an dem „gedeckten Tisch“ platz zu nehmen. Kein Respekt vor der Kunst? Nein, ganz im Gegenteil, schließlich sollen die Größenverhältnisse sichtbar werden! Außerdem, ein wenig Spaß darf Kunst doch auch machen?

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Nach etwa einer Stunde erreichten wir das zweite Landgut, das zwar zum Park gehörte, aber dem Verfall preisgegeben war.

Hier war noch die Baumallee der ehemaligen Zufahrt zu dem Gut zu sehen.

Überall Objekte aller Art, wir liefen zurück durch das Tal, ein schmaler Weg führte uns durch das Gehölz und Gebüsch.

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Uns hat der fast zweistündige Rundgang ausgezeichnet gefallen, die friedliche Natur, das Tal mit Bachlauf, einfach wundervoll! Selbst das Wetter hatte ein einsehen, nur wenige Tropfen fielen, die Sonne schien zwischendurch auch mal. Dann stand Körperpflege auf dem Programm der Reisemobilsten, der Besuch des Restaurant bestand bevor.

Wir waren die einzigen Gäste im Restaurant, aber der kleine Gastraum war angenehm warm, ein Kaminfeuer strahlte Behaglichkeit aus. Nach einer Spezialität auf der Speisenkarte mit guter Auswahl, haben wir die freundliche junge Bedienung gefragt. Ihrer Empfehlung sind wir gefolgt, ein lecker gefülltes Schweinesteak kam auf den Teller, es hat uns samt Beilagen bestens gemundet.

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Die Lesung

Frau von Fircks setzte sich zu uns, gerne haben wir sie eingeladen. Sie empfahl auch einen sehr dunklen Kräuterlikör, „Riga-Balsam“ (andere sagen “Schmieröl” dazu, haben wir später gehört, Konsistenz und Farbe stimmte...) in einer besonderen Flasche, „Prost“, hm, nicht schlecht, daran könnte man sich gewöhnen.

Eine gute halbe Stunde haben wir ihren sehr persönlichen Erlebnissen gelauscht. Wie sie als Touristin auf das Gut ihres Großvaters kam, wie ein Kontakt zu dem jetzigen Besitzer entstand, warum sie wieder zurückkehrte und ein Kunstprojekt begleitete. Sie erzählte in dieser Lesung, wie widersprüchlich ihre Gedanken waren, ließ aber auch erkennen, dass sie hier ein gewisses Glück gefunden hat. Da ihr Großvater bereits 1939 floh, hat die Familie keine Besitzansprüche, das interessierte sie aber nicht. Wir waren von der sehr persönlichen Art des Vortrages in dieser heimeligen Atmosphäre begeistert, über unseren kleinen spontanen Beifall freute sich Frau von Fircks sehr. 

Am kommenden Sonntag findet hier im Museum zur Beginn der Sommersaison eine Feierlichkeit statt, hat sie erzählt, selbst die Kulturministerin habe sich angesagt. Mit einem spirituellen Tanz soll ein neues Kunstobjekt begonnen werden, dass vom israelischen Botschafter unterstützt wird. Ob wir nicht auch kommen wollten? Wir vier waren uns schnell einig, den geplanten Besuch Rigas können wir um zwei Tage verschieben. 

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Der Autor freute sich über die Erlaubnis im “Werkstatt-Garten” des Steinmetzes einen Stein aus Granit auszusuchen dürfen, das bevorzugte Material des Künstlers. Dieser Stein wird in unserem heimischen Vorgarten eine besondere Erinnerung bewahren.

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Diese Skluptur erinnert an den berühmtem “Schrei” von Edvard Munch, aber diese Herren waren nicht in der Lage sich und uns zu erklären.

Nach einer ruhigen Nacht begrüßte uns mal wieder ein kräftiger Schauer, aber bald kam vorübergehend die Sonne durch.

Nach der Bestätigung des heutigen Datums am aktuellen Kalender Juni 2009, der für das ganze Jahr (Kunstwerk?) auf dem Zaun aufgemalt war, schauten wir uns vor der Abfahrt Richtung Sabile noch einen kleinen Teil der Ausstellung an.

Auch das Feld, wo Steine „gesät“ wurden und das Frau von Fircks im Rahmen des aktuellen Kunstprojekts vom Unkraut befreit hatte. Auch die ehemalige Minigolfanlage (?) vor dem Feld wurde zum Kunstobjekt umgewandelt. Warum? Wieso? Was will uns der Künstler sagen? Die Fragen bleiben heute wie gestern leider offen.

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