Banner_2_Reisemobil-fahren.de

Zwei nicht so schönen Reisetage und der gelungene Abschluss in Killini

Nach dem Verlassen von Koroni zieht sich die Straße nordwärts durch eine fruchtbare Gartenlandschaft und nach ca. 18 Kilometern erreichen wir Ag. Andreas, ein zu dieser Zeit verschlafener kleiner Ort, dort befindet sich ein kleiner Campingplatz mit „griechischen Flair“ direkt am Strand.

Weiter ging es Richtung Kalamata, die Straße ist gut befahrbar und führt am Golf von Messenien entlang. Die Strände sind hier etwas fad und wenig attraktiv. Insofern war die Stellplatzsuche eher halbherzig. Wir erreichten Petralidi, vom Ortsbild wenig attraktiv und daher als Aufenthaltsgelegenheit nicht ansprechend. Unterwegs decken wir uns zum ersten Mal in einen der inzwischen in Griechenland häufiger anzutreffenden LIDL-Märkten ein. Optisch fühlten wir im Markt etwas heimisch, sogar identische heimische Produkte fanden wir vor. Aufgepasst beim einkaufen, sonst kauft man italienischen Ziegenkäse oder holländische Tomaten!  

Auf der Strecke hatten wir noch einen Auftrag zu erfüllen, kalt gepresstes Olivenöl und geschlitzte Oliven. Den “Bauernladen” von Kostas und Fragos kannten wir schon von den Vorjahren. Nicht gerade günstig, aber sehr gute Qualität.

Herzliche Bedienung und frisch gepflückte Weintrauben als Zugabe.

Wir entschieden uns spontan Richtung Nafplio zu fahren. Wir kurvten zum Teil „heftig“ durch die Berge Richtung Megalopoli und Tripoli, ab hier genossen wir für 3 € Maut die Autobahn, die wir Richtung Argos verließen. Direkt an der Ausfahrt ein Hinweisschild, wir befuhren eine ausgeschilderte „Weinstraße“. Voller Aufmerksamkeit suchten wir den Wein, wir sahen die bekannten ausgedehnten Olivenhaine, Apfelsinen- und Zitronenbäume, aber nur hin und wieder kleinere Weinfelder. 

Unser Ziel war das Dorf Kandia, hinter Nafplio Richtung Drepano. Am dortigen dunkelsandigen Strand standen die einschlägigen „Camping verboten“ Schilder, der Ort war wie ausgestorben und sprach uns überhaupt nicht an. Absolut „tote Hose“. Also weiter, suchen wir uns einen Campingplatz. Wir fuhren Richtung Tolo, fanden einen Campingplatz, der mal wieder wegen der Bäume nur eingeschränkten Platz  bot. Darüber hinaus hatte eine größere holländische Reisegruppe hat die meisten Plätze belegt.  

Wir sind nach Tolo gefahren, den größten Badeort im Osten des Peloponnes, der wegen der Nähe zu Athen auch bei den Griechen beliebt ist. Der dortige Campingplatz LIDO war fast leer. Dennoch konnten wir uns wegen der „bezauberten“ Atmosphäre nicht entscheiden zu bleiben. Beim durchfahren des Ortes sahen wir zahlreiche Hotels und massenweise Angebote von Rooms und Appartements, sowie die einschlägigen touristischen Rummelangebote. Daher haben wir uns die beiden anderen Campingplätze nicht weiter angesehen. Nix wie weg! 

Was nun? Ab nach Nea Epidauros Beach, dort haben wir schon öfter frei übernachtet. Eine 2 Kilometer Asphaltstraße führt von der Hauptstraße durch Orangenplantagen runter zum Meer zu einer 200 Meter langen Kies-Sandbucht, die von steilen Berghängen umgeben ist. Am kleinen Hafen befinden sich kleine Hotels und Tavernen. Auf dem uns bekannten Übernachtungsplatz hat zwischenzeitlich eine weitere Taverne eröffnet. Da es schon dunkel war, haben wir den Campingplatz Nea Epidaurus aufgesucht. Auch hier das bekannte Problem, nur ein Parkplatz an den sanitären Einrichtungen wurde uns wegen der niedrigen Bäume angeboten. Gemütlich haben wir in der Strandtaverne zu Abend gegessen. In der Nacht überfielen uns eine Vielzahl von Mücken, die Viecher ließen sich zwar im zweistelligen Bereich nach und nach erschlagen, aber die Nachtruhe war dahin. Da musste erst mal ein Buch dazu herhalten, um sich wieder „müde zu lesen“. Für den Parkplatz ohne Strom und mit kalten Duschen hat man uns ohne mit der Wimper zu zucken 18 € abgeknöpft. Die Bucht sieht uns nicht wieder. 

Im WOMO-Führer von Schulz fanden wir einen Stellplatz in Valimitikas bei Egio, am nördlichen Peloponnes Richtung Patras. Das war der einzige Schulz-Tipp, den wir erfahren wollten. Leider verpassten wir die entsprechende Ausfahrt von der Autobahn Korinth-Patras, der nächste Ausfahrt war sehr weit, ein umkehren war uns zu aufwendig. 

Da wir die letzten Tage unseres Urlaubes am Strand von Kastro Kilni verbringen wollten, fuhren wir bereits jetzt dort hin. Glück gehabt, wir haben einen fantastischen Stellplatz mit voller „Breitseite“ zum Meer erwischt. Selbstverständlich haben wir unsere „Stellplatzgebühr“ in der Kantina mit regelmäßigen Abendessen entrichtet. Der Wirt Nakos meinte, die Zeit der Räumungsaktionen der Polizei sei vorbei. Wir wünschten uns, dass er Recht behält ... die Prognose war richtig, wir konnten die letzten Tage ungestört “urlauben”.

In den nächsten Tagen genossen wir das herrlich warme Meer und am Abend die Kochkunst von Nakos, seiner Frau und den beiden Töchtern. Immer endete das Essen mit dem Satz „Ich gebe einen aus“. Eine seiner Spezialitäten war ein leckerer Eintopf mit Bohnen und Kartoffeln mit Lamm- und Schweinekoteletts. Aber auch die gegrillten Doraden, die frittierten Calamaris, die kleinen gegrillten Fische, die Spießchen, alles war sehr schmackhaft. Dennoch als Fazit der griechischen einfachen Tavernen, die Preise sind nicht mehr günstig, zum Beispiel der „Greek-Salat“ war von 3,50 € bis stolze 5 € zu haben. Hier muss jeder Griechenlandfan selbst entscheiden, ob er das Preis- Leistungsverhältnis in diesen schlichten aber oft herzlichen Atmosphären annimmt, oder ob der eigene Grill angeworfen wird. 

Urlaub pur!

Mit dem Roller haben wir auch den Fährhafen von Killini erkundet, hier legen die Fähren zu den Inseln Zakynthos und Kefalonia ab.

Als Ort doch etwas fad, jedoch jede Menge Tavernen und eine kleine bescheidene Ausgrabungsstätte einer alten Kirche (?) aus dem 13. Jahrhundert. Der lang gezogene, aber nicht so attraktive Sandstrand, war zum Teil von Seegras überschwemmt.

... viel konnten wir uns nicht mehr vorstellen!

Neugierig näherten sich zwei wilde, aber friedliche Hunde dem Roller ... leider war nichts Fressbares drin!

Am Ende des Strandes befand sich eine ganz besondere griechische Sommerresidenz!

Fazit und Rückfahrt

Von den 22 Urlaubstagen in Griechenland Tagen haben wir insgesamt 7 Tage auf drei Campingplätzen übernachtet, aber das freie Campen auf den von uns besuchten 6 verschiedenen Strandstellplätzen – obwohl in Griechenland verboten – hat eben seinen unwiderstehlichen Reiz. Jeder Reisemobilist sollte aber wissen, dass er das Risiko eingeht, von der Obrigkeit verjagt zu werden. Die Vorwarnungen - siehe eingangs - mit drastischen Geldstrafen und Eintrag in irgendwelchen Dateien haben wir zumindest in diesem Jahr nicht erlebt. Auch in den Gesprächen war dies nur als Gerücht zu hören. Aber in der Hauptsaison wurde in einigen Regionen fast täglich der Strand geräumt, das wurde uns von griechischen Tavernenwirten bestätigt. Schade, dass der griechische Tourismusminister hier nicht geregelte freie Stellplätze, etwa wie in Italien oder Frankreich, ermöglicht.  

Am Dienstag haben wir noch eine Kleinigkeit in der Strandkantina von Nakos gegessen. Wir wurden herzlich verabschiedet mit 1 ½ Liter Rosewein als Wegzehrung, der uns an den Abenden zuvor immer gut gemundet hat. Um 19:30 Uhr starteten wir Richtung Patras. Wir nutzen zwar die ausgewiesene Ausfahrt der neuen Autobahn zum „Port“, erreichten die Einfahrt zum Hafen aber nur, weil uns die vorhandenen Ortskenntnisse instinktiv die richtige Richtung einschlagen ließ … oder wir haben im Dunkeln einfach nur die Schilder übersehen? Tanken konnten wir in Patras aber noch für günstige 71,9 Cent pro Liter Diesel.  

Um 24 Uhr ging unsere Fähre „Aridane Palace“ von Patras nach Venedig. Dieses Schiff ist erst 2002 in Betrieb genommen worden, die luxuriöse Ausstattung beeindruckte. Für das Camperdeck standen allerdings nur jeweils eine Dusche für Damen und Herren Verfügung. Vielleicht hat die koreanische Werft andere Vorstellungen von Service und Hygiene?  

Morgens um 7:00 Uhr erreichten wir Korfu, um 10:00 fuhren wir in den Hafen von Igoumenitsa ein. Tagsüber beschlich uns leichte Wehmut, der Urlaub geht zu Ende, eine schöne Zeit ist vorbei. Unser Fazit, Griechenland gefällt uns noch immer, trotz seiner Widersprüche und fehlendes Umweltbewusstsein (erste positive Ansätze sind allerdings zu erkennen) und die nicht gerade günstigen Lebenshaltungskosten. Wir freuen uns auf den nächsten Besuch in Griechenland.  

Venedig erreichten wir am nächsten Tag mit einer Verspätung von einer Stunde um 7:30 Uhr, wir starten durch und fuhren Richtung Heimat. Ein dicker Stau auf dem Stadtring in Mailand kostete uns eine weitere Stunde. Die Schweiz empfing uns mit 28 Grad und Sonnenschein – warum fahren wir eigentlich nach Griechenland? Aber das änderte sich schnell, die Temperatur sank bis auf 16 Grad, hinzu kam heftiger Regen. Am späten Nachmittag erreichten wir mit fast leerem Tank den Stellplatz in Breisach, eine freie Tankstelle direkt im Ort verkaufte den Liter Diesel zu günstigen 91,4 Cent. Wir konnten es nicht lassen, eine Einkehr beim „Griechen“ und ein positives Resümee – keine größeren Problem, keine technischen Ausfälle - beendete unseren Urlaub. Das erstmalig praktizierte Rollerfahren hat großen Spaß gemacht, immerhin sind wir in Griechenland über 550 Kilometer „gerollert“. Dieses „Beiboot“ wird uns in der Zukunft öfter begleiten.  

Der Stellplatz der Stadt Breisach für ca. 40 Reisemobile liegt am Rheinufer, gegenüber der französischen Grenze auf einem Parkplatz, der am Rand auch für PKW zugelassen ist. Eine Ver- und Entsorgungsstation, jeweils ein Euro, ist vorhanden. Die Stellplatzgebühr am Münzenparkautomat beträgt 5 Euro pro Nacht, 8 Euro für 2 Nächte, 10 Euro für 3 Nächte. Das ist auch die Obergrenze der akzeptierten Übernachtungen. Die Stadt und die Umgebung bietet eine Reihe von Attraktionen sowie Freizeitmöglichkeiten von Sport, Radfahren und Wandern oder eine Schifffahrt auf dem Rhein. Freiburg ist 25 Kilometer entfernt.  

Am nächsten Morgen starteten wir gemütlich Richtung Ruhrgebiet, am Nachmittag erreichte wir den Stellplatz Willroth im Westerwald an der Gaststätte „Steiger-Mühle”. Die Wirtin ist genau so rustikal wie die gemütliche rustikal eingerichtete Gaststätte. Sie duzt jeden Gast, beklagte bei österreichischen Reisemobilgästen die Euro-Umstellung. Das haben wir nicht verstanden, es wurden auf der Speisenkarte doch nur die Währungskennzeichen ausgewechselt! Die Preise waren nämlich gepfeffert. Ein so genanntes Bauernomelett – es war aber kein Omelett – mit einer ordentlichen Portion Bratkartoffeln, 2 Eiern mit etwas Schinken durchgezogen und eine kleine Salatbeilage auf dem Teller: 9,70 Euro – das waren mal fast 20 DM (!) war eins der günstigen warmen Gerichte. Wir haben das Gericht an diesem Tag als „Sparfutter“ im Angebot für 7,50 Euro erworben. Ein Trinkgeld war leider nicht mehr drin. Fairerweise muss gesagt werden, dass die rund 20 idyllisch am Waldrand gelegenen Stellplätze kostenfrei angeboten werden. So relativiert sich das alles ein wenig. Geboten werden auch Planwagenfahrten, Wandern, Räubertour oder Räubergelage nach Voranmeldung.  

Am Samstag nach einer Regennacht und einem gemütlichen Frühstück fuhren wir weiter, denn am Abend feierte ein Reisemobilfreund seinen fünfzigsten Geburtstag. Diese Einladung wollten wir nicht verpassen. Unterwegs, auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrum in Bochum wurde geduscht und gestylt. Am Sonntagmittag nach einer wunderschönen Feier waren wir nach 3841 Kilometern und über 4 Wochen Abwesenheit wieder zu Hause. 

 Wann sieht uns Griechenland wieder? Die bessere Hälfte wollte angesichts der Temperaturen und des Schauerwetter sofort wieder fahren.

© Bernd Loewe 2004

 

Zurück zur Übersicht Reiseberichte Deutschland - Europa - Welt